Champagner aus Schokoladenpralinen.

„Es ist ein Schlüsselkind!“, sage ich nach einer sehr langen Nacht.

Denn am Ende des Tages, soweit man das sagen kann, hatten wir nicht nur den Schlüssel des Hauses, auf das wir so lange gewartet hatten, in der Hand, sondern auch unser Baby. Aber eins nach dem anderen.

Mein Vater und ich fahren alleine durch die Nacht.

“Ach, da sind wir doch in zehn Minuten da.”, sagt mein Vater am Deich.

“Nene, das ist schon ein Stück.”, erwidere ich.

“Ach komm!”

“Fahr nur.”

Es ist ja nicht so, dass wir das erste Mal zu dem Haus fahren. Aber wir führen jedes mal wieder die gleich Diskussion. Ich mag das. Traditionen, Rituale und so weiter. Das gibt mir Geborgenheit. Schön ist das in einer Zeit, die immer schneller wird. Aber lassen wir das lieber, das führt zu nichts.

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Irgendwann, nach genau fünfundzwanzig Minuten endlosem Deich durch die Nacht, sind wir da.

“Ach wie schön!”, begrüßt uns die vorige Besitzerin.

“Hallo”, sag ich, “Moin, mein Vater und ich sind leider alleine. Meiner Frau geht es nicht so gut, wegen der Schwangerschaft und so weiter.”

“Ach, ist sie schon im Krankenhaus? Geht es schon los?”

“Naaaaein! Soweit sind wir noch nicht. Aber auf die letzten Wochen ist das ja alles immer nicht so ganz einfach.”

“Ja.”

“Hallo, Herr Timmann!”, auch die Maklerin ist da.

“Hallo.”, und mein Vater.

Dann geht alles ganz schnell. Ein Aktenordner liegt auf einem alten Tisch, das ist alles, was es von dem Haus gibt, und kurz werden ein paar Anschlüsse, verfallene Sicherungen oder Stromkabel gezeigt. Sieht alles ziemlich übel aus. Aber so ist das eben mit alten Häusern (wir haben es uns ja ausgesucht).

Als ich noch überlege, was es zu klären gibt (muss ich hier jetzt eigentlich auch Schnee schieben, den ganzen Deich lang?, und der Stegel, o ne o ne, nicht dass da im Winter einer runterrutscht!), steht die vorige Besitzerin vor mir und überreicht mir ganz nüchtern den Schlüssel! Doch ich realisiere immer noch nicht, was das wohl gerade bedeutet.

„Danke! Ich freue mich wirklich sehr!“, stammel ich irgendwie. „Das ist wirklich ein besonderer Moment. Ich hoffe, wir werden sie nicht enttäuschen!“

„Wir sind so gespannt, was sie aus dem Haus machen!“, die vorige Besitzerin hängt immer noch an dem Haus. Ihre Familie wohnt seit fast 300 Jahren in dem Haus. Es ist ein großer Schritt, so ein Haus verkaufen zu müssen.

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Kurze Zeit später trinken wir Champagner aus Schokoladenpralinen. Die alte Besitzerin hat sie mitgebracht. Mein Vater und ich hatten nichts dabei. Peinlich. Wir waren nicht darauf vorbereitet, dass wir ohne die Familie (die etwas vorbereitet hatte) zur Schlüsselübergabe fahren würden. Trotzdem war es ein schöner Abend und alle sind zuversichtlich, das Richtige zu tun.

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Zu Hause angekommen geht dann alles wieder ganz schnell. Fruchtblase, Blasensprung, Krankenhaus und einige Stunden später und viele graue Haare mehr: Mathilda ist da!

Fünf ist eine Party, oder wie war das? – und die vorige Besitzerin hatte doch Recht. Es ging los!

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